Frondienste

aus Mittelalter Lexikon, der freien Wissensdatenbank

Frondienste (mhd. vroende, vrondienest, schardienest, robat; lat. servitia). Bauern auf herrschaftlichem Land, deren Frauen und Kinder waren der Grundherrschaft gegenüber zu bestimmten Dienstleistungen verpflichtet, wobei die Leibeigenen zu ungemessenen Diensten ("haben zu tun, was man ihnen befiehlt", lat. caplim), Freie und Halbfreie zu genau definierten Diensten herangezogen wurden. Der Grad der Inanspruchnahme war dabei je nach Fronherrschaft unterschiedlich ausbeuterisch. Gefront wurde in Form von
1.) land- und forstwirtschaftlicher Handarbeit (manoperas) bei Rodung, Ackerbau (arat), Feldbestellung (riga), Ernten, Dreschen, Weinbau, Viehhaltung, Schafschur, Wach- und Hütedienst, Düngung, Jagd, Holzeinschlag (caplim), Abtransport und Bearbeitung des geschlagenen Holzes (ligneritia)
2.) gewerblichen Verrichtungen wie Mahlen und Mälzen von Getreide, Bierbrauen, Brotbacken, Spinnen, Weben, Waschen, Schuhe-, Kleider- und Wäschemachen, Schreinern und Töpfern
3.) Arbeiten bei Wege-, Burgen- und Kirchenbau
4.) Transporten grundherrschaftlicher Güter mit eigenen Lastwagen (carropera) sowie von Schiffstransporten oder Botendiensten
5.) Spanndiensten mit eigenem Ochsengespann, z.B. bei Pflügen und Eggen (angariae)
6.) Quartiergewährung, Militärdienst (mhd. reis; mlat. hostilium) und Dienste im Namen des Landes- oder Gerichtsherren (etwa bei Verfolgung und Festnahme von Verbrechern). Von diesen öffentlich-rechtl. Frondiensten waren nur Kleriker und Adlige befreit.
Der zeitliche Aufwand konnte im Jahr bis zu 35 Frontage betragen, was umso drückender war, als Frondienste meist zu Zeiten geleistet werden mussten, zu denen der Fröner in der eigenen Wirtschaft dringende Arbeit (Saat, Ernte) zu erledigen hatte. Insgesamt war die Belastung durch Leistungen regional sehr unterschiedlich, auch wurden Freien- und Unfreienhufen ungleich belastet. Bei der Zumessung von Diensten wurde die Zeit für die Anreise zum jeweiligen Fronhof oder Kloster berücksichtigt. Die Bauern mussten Frondienste unentgeltlich und auf eigene Kosten erbringen. Bestenfalls bekamen sie geringe Kost (Frönerbrot) gereicht.
Während im Westen die Fronherrschaft im Laufe des MA. zugunsten der Pacht- und Rentenwirtschaft zurückging, erhielt sie sich in den Gebieten östlich der Elbe, wo sie im Rahmen der ®Gutsherrschaft zu noch größerer Ausbeutung führte.

'Persönliche Werkzeuge