Lombarden

aus Mittelalter Lexikon, der freien Wissensdatenbank

Lombarden. Norditalienische Kreditagenten, die sich dem Papsttum als Geldbeschaffer unentbehrlich gemacht hatten, und daher entgegen dem Kirchenrecht wucherische Geschäfte tätigen durften. Sie kamen aus Asti, Chieri, Piacenza, Cremona, Lucca, Siena oder Florenz, traten vom 13. Jh. an auch nördlich der Alpen auf, und verdienten an verschwenderischen Fürsten und Prälaten, aber auch an in Not geratenen kleinen Leuten und Bauern. Die Bezeichnung "Lombarden" ging allgemein auf ital. Kaufleute über. (In London erinnert die Lombard Street und in Hamburg die Lombardsbrücke noch heute an sie). Unbeliebt wie die Juden wurden sie wiederholt Opfer des Volkszornes oder der Verfolgung durch zahlungsunwillige aber mächtige Kreditnehmer. Der von Lombarden in Rechnung gestellte Zinsfuß wurde vielerorts von der Obrigkeit festgesetzt; er konnte bis zu 54 % pro Jahr betragen. Mit der im 15. Jh. sich einstellenden Lockerung des Zinsverbots ging die Bedeutung der Lombarden zurück, drängten nun doch einheimische Bürger ins Geldgeschäft. (s. Kawerschen)
Den Ruf der Lombarden beleuchtet ein Zitat des Historikers Matthäus Parisiensis (13. Jh.): "Die Lombarden sind sehr gewandte Menschen. Verräter sind sie und Betrüger. ... Sie verschlingen nicht nur die Menschen und Haustiere, sondern auch Mühlen, Schlösser, Bauernhöfe, Wiesen, Gehölze und Wälder ... Sie mästen sich mit der Not der anderen und sind wie die Wölfe, weil sie Menschen verschlingen." (zit. nach Rolf Schneider).
Unter "Lombarden" verstand man im europäischen Norden auch wandernde Steinmetztrupps aus der Mittelmeerregion, welche bei Steinbauten diejenigen Arbeiten Übernahmen, zu deren Ausführung der lokalen Handwerkerschaft das Know-how fehlte.
(s. Wucher)

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