Hessen (Volksstamm, Grafschaft)

aus Mittelalter Lexikon, der freien Wissensdatenbank

Hessen. Germanischer Stamm, der sich in der Völkerwanderungszeit in Mitteldeutschland, nördl. des Mains und östl. des Rheins, zwischen Rothaargebirge, Vogelsberg und Rhön niedergelassen hatte. Im 8. Jh. wurden die Hessen von den Karolingern unterworfen, die in ihrem Siedlungsgebiet Franken ansässig machten. Mit diesen, sowie mit den benachbarten Alamannen und Thüringern vermischten sich große Teile des hessischen Stammes in den Randgebieten. Im 8. Jh. gründete Bonifatius, nachdem er 721 das Kloster Amöneburg eingerichtet und 723 die Donareiche bei Fritzlar gefällt hatte, die wichtigsten der hessischen Benediktinerabteien mit dem Zweck der Missionierung: Fritzlar (723), Fulda (744) und Hersfeld (769). Ende des 8. Jh. kamen sie in den Stand von Reichsabteien. Im 9. Jh. wurde das Land als Grafschaft unter den Konradinern dem Herzogtum ®Franken zugeschlagen. Im 12. Jh. gelangte Hessen durch Erbschaft an die Landgrafen von Thüringen. Im 13. Jh. kam die Grafschaft an Heinrich das Kind, den Enkel der Landgräfin Elisabeth von Thüringen und Sohn des Herzogs von Brabant. Heinrich richtete seine Residenz in Kassel ein (1277), erreichte die Erhebung der Grafschaft zum Reichsfürstentum (1292) und begründete die Dynastie der hessischen Fürsten aus dem Hause Brabant. Seine Nachfolger konnten gegen die Interessen der Erzbischöfe von Mainz und des hess. Adels ihren Besitz festigen und ausweiten.

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